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Coronavirus – Erstes Referenz-Impfzentrum im Kanton Zürich

Im Kanton Zürich wird das erste Referenz-Impfzentrum eröffnet (Bildquelle: qimono auf Pixabay)

«It always seems impossible, until it's done» Jan Fehr, Leiter des Departements Public & Global Health, hat zusammen mit seinem Team das erste Referenz-Impfzentrum des Kantons Zürich auf die Beine gestellt. Ab Montag wird geimpft. Von einem personellen und logistischen Kraftakt berichtet Fehr im Interview mit UZH News.

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«Ab dem 4. Januar beginnen wir mit den [Impfungen](https://polizeiticker.ch/thema/impfungen)»: Jan Fehr im Referenz-Impfzentrum des Kantons [Zürich](https://polizeiticker.ch/thema/zurich).

Marita Fuchs Herr Fehr, das Zentrum für Reisemedizin wurde im März zum COVID-19-Testzentrum, nun zum ersten Referenz-Impfzentrum des Kantons Zürich, das seinen Betrieb am 4. Januar aufnimmt. Wer darf sich denn jetzt bei Ihnen impfen lassen? Jan Fehr: Besonders gefährdete Personen. Das sind Leute ab 75 Jahren oder solche mit einer schweren Vorerkrankung jeden Alters. Diese können sich bei uns im Zentrum am Hirschengraben impfen lassen. Impfungen sind ausschliesslich nach Reservation möglich. Entweder online über die Website https://coronazentrum.uzh.ch oder telefonisch über das Ärztefon 0800 336 655. Leute mit schweren Vorerkrankungen müssen vom behandelnden Arzt oder Ärztin angemeldet werden. Anfangs Januar beginnt auch die Impfung von Patientinnen und Patienten am Universitätsspital Zürich. Im Verlauf folgen die Impfungen in Heimen und auch über Hausärztinnen und -ärzte.

Warum diese Priorisierung? Die anfänglich verfügbare Impfstoffmenge von voraussichtlich 36'000 Dosen verlangt nach einer klaren Priorisierung. Der Kanton Zürich hält sich dabei an die Empfehlungen der Eidgenössischen Kommission für Impffragen und die Impfstrategie des Bundesamts für Gesundheit. In dieser ersten Phase der Impfaktion ist das Ziel, schwere Verläufe und Todesfälle zu vermeiden und das Gesundheitswesen zu entlasten.

Deshalb ist die erste Zielgruppe Personen ab 75 Jahren mit oder ohne Vorerkrankungen. Auch Erwachsene mit chronischen Erkrankungen haben ein hohes Risiko gravierend an COVID zu erkranken und können sich – unabhängig vom Alter – impfen lassen. Dazu gehören Personen mit speziellen und schweren Formen von Herz-, Atemwegs- und Nierenerkrankungen, Adipositas, Immunschwäche oder unkontrollierter Bluthochdruck oder Diabetes. Die zweite Impfung erfolgt bei uns nach vier Wochen.

Ist denn der Impfstoff schon eingetroffen? Ja, der Impfstoff kam Anfang der Woche begleitet von einer Polizeieskorte. Es ist der Impfstoff Comirnaty von der Firma Pfizer/BioNTech, und er lagert jetzt bei -80° bis -70° Grad in Kühltruhen.

Es findet im Moment ein Verteilkampf um Tiefkühler statt. Konnten Sie genug beschaffen? Ja, wir haben vorgesorgt. Denn man muss bedenken, dass hinter jedem gefüllten Tiefkühler auch immer ein leerer ‘backup’-Kühler stehen muss, um bei einem Ausfall einen Sofortersatz zu haben.

Waren Sie gut vorbereitet für diese grosse Aufgabe das Referenz-Impfzentrum des Kantons zu sein? Natürlich würde man gerne mehr Zeit haben und auch einigermassen ausgeruht und nicht schon 10 Monate Pandemiebekämpfung auf dem Buckel haben. Aber andererseits muss man auch sagen, dass wir unglaublich Glück hatten, dass das neue Zentrum für Reisemedizin gerade rechtzeitig noch vor der ersten Welle fertig gestellt wurde. Auf dieser neuen Infrastruktur und der langjährigen Impfexpertise des grössten reisemedizinischen Zentrums der Schweiz konnten wir aufbauen.

Hilfreich ist auch das agile Umfeld, welches das Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention (EBPI) bietet. Ich habe auch das Glück, mich auf ein tolles Team stützen zu können. So wird das Projekt «COVID-19-Impfung» bei uns von Dr. Matthias Reinacher geleitet, welcher sowohl ärztliche -, IT- wie auch Management-Expertise mitbringt. Der Teufel liegt aber im Detail und zu Beginn schien das alles kaum möglich, aber ich halte mich an Nelson Mandela: «It always seems impossible, until it's done».

Impfzelt am Hirschengraben 82, 8001 Zürich (Bildquelle: Universität Zürich)

Konnten Sie in so kurzer Zeit genug Personal für die Impfstrasse finden? Mein Team, die Task-Force der UZH, sowie die Personalabteilung der UZH hat unser Zentrum tatkräftig unterstützt. Alle waren bereit, weit über das Normalpensum hinaus zu arbeiten. An dieser Stelle möchte ich mich dafür sehr bedanken. Für die Impfung selbst und das Erfassen der Impfdaten im Impfausweis stehen uns jetzt die Infrastruktur und das Personal von insgesamt 73 Angestellten zur Verfügung. Falls es bei Geimpften zu einer allergischen Reaktion kommen sollte, stehen ausgewiesene Notfallmediziner bereit. Dazu gehört natürlich auch ein entsprechendes Notfallkonzept und die Schulung.

Das Impfzentrum ist ein so genanntes Referenzzentrum. Was genau bedeutet das? Wir sind das erste Impfzentrum im Kanton Zürich und wir sammeln erste Erfahrungen auf allen Ebenen: Logistik, praktischer Umgang mit dem Impfstoff, Personalschulung, IT-Prozesse von der Anmeldung bis um Impfzertfikat und auch Akzeptanz der Impfung in der Bevölkerung. Diese Erfahrungen werden helfen, Abläufe zu optimieren und die Erkenntnisse weiteren Impfstrassen im Kanton zur Verfügung zu stellen. Zudem sammeln wir fortlaufend Erfahrungen mit allen neuen Impfstoffen, die zugelassen werden, was einem kontinuierlichen Lernprozess entspricht.

Welche sind das? Wir impfen zuerst mit Comirnaty von Pfizer/BioNTech, dieser Impfstoff muss zwingend bei -80° bis -70° Celsius gelagert werden. Momentan wird auch die Zulassung von weiteren Impfstoffen durch Swissmedic geprüft, so den Moderna-mRNA Impfstoff. Dieser benötigt ebenfalls tiefe Temperaturen um die -20°Celsius. Oder den Impfstoff von AstraZeneca, diesen kann man im Kühlschrank lagern.

Begleiten Sie das Impfgeschehen auch wissenschaftlich? Die grosse Studie der UZH und Swiss School of Public Health, die unter dem Titel «Corona Immunitas» läuft, will möglichst verlässliche Informationen zur Durchseuchung der Bevölkerung mit dem Virus bekommen und auch mehr über die Immunität gegen Corona SARS-CoV-2 in Erfahrung bringen. Milo Puhan, Direktor EBPI, koordiniert und leitet die nationale Studie und wir versuchen gemeinsam dieses Grossprojekt voranzutreiben. Viele Studienbesuche werden auch im Corona-Zentrum abgewickelt – respektive im neuen Zentrum für Reisemedizin. Aufbauend auf Corona Immunitas werden wir uns dann auch Fragen rund ums Impfen und Immunantworten widmen. Wir haben dazu eine ideale Plattform.

Wie schätzen Sie die Gefahr ein, die sich jetzt durch neue Mutanten des Virus in der Schweiz verbreiten? Aktuell sieht es nicht so aus, dass der zur Verfügung stehende Impfstoff bei kürzlich rapportierten Mutationen, weniger wirksam sein soll. Wichtig ist aber, jetzt rasch die Pandemie in den Griff zu bekommen – dazu gehört natürlich auch das Impfen und weiterhin strikte Einhaltung der Schutzmassnahmen. Eine Pandemie lässt sich nur kontrollieren, wenn man dem Virus einen Schritt voraus ist und dies ist leider noch nicht der Fall.

Sie sind Leiter des Departements Public & Global Health, wie sehen Sie die Pandemie aus internationaler Sicht? Im Moment sehe ich die Tendenz, dass ein gewisser Nationalismus um sich greift und in den eigenen ‘Grenzen’ gedacht und gehandelt wird. Dabei ist eine Pandemie ein weltweites Phänomen. Wir müssen solidarisch sein, koordiniert vorgehen und die anderen, vor allem auch die ärmeren Länder, in unsere Massnahmen miteinbeziehen, denn das Virus ist kein lokales, sondern ein globales Phänomen.