Digitale Suchtprävention in der Schweiz: So funktionieren moderne Kontrollsysteme im Online-Glücksspiel
Digitale Suchtprävention in der Schweiz: So funktionieren moderne Kontrollsysteme im Online-Glücksspiel
09.01.2026 | 16:56
asp
Symbolbild. (Bildquelle: )
Online-Glücksspielanbieter für digitale Spiele wachsen leise, kontrolliert und unter strenger Aufsicht. In der Schweiz ist anhand digitaler Spielangebote zu sehen, wie Aufsicht, Daten und Durchführung ineinander greifen ohne den Markt zu ersticken. Aufsicht wirkt hier nicht spektakulär, sondern systemisch.
Der Schweizer Online-Glücksspielmarkt wirkt auf den ersten Blick überschaubar. Es gibt nur wenige Anbieter, dafür klare Regeln und kaum eine öffentliche Debatte. Aber hinter dieser Ruhe liegt ein Netz an Kontrollen. Es greifen Spielersperren, Aufsicht über Zahlungen und Meldepflichten. Nicht als moralische Keule, sondern als Teil der zuständigen Behörden in einem Milliardenmarkt.
Strafverfolgung als Normalfall
Glücksspiel gehört in der Schweiz zu den heikelsten digitalen Märkten. Der Grund liegt nicht im Angebot selbst, sondern in den damit verbundenen Risiken. Überschuldung, Geldwäscherei, Spielsucht – der Gesetzgeber hat darauf nicht mit Verboten reagiert, sondern mit einer Strukturlösung. Das seit 2019 geltende Geldspielgesetz macht Prävention und Aufsicht zu Pflichten. Kontrolle ist damit der Normalfall.
Nichtsdestotrotz kann sich die Marktgrösse sehen lassen. Zuletzt betrug der Bruttospielertrag rund zwei Milliarden Franken jährlich. Rund 880 Mio. davon entfallen auf lizenzierte Spielbanken, der Rest auf Lotterien und Sportwetten. Das erklärt, warum der Staat nicht nur zuschaut sondern auch lenkt. Es geht um Volumen, nicht um Randschichten.
Zwei Kontrollen, ein Strafverfolgungssystem
Das Aufsichtssystem ist zweigeteilt und bezieht sich auf zwei Institutionen. Die Eidgenössische Spielbankenkommission beaufsichtigt digitale und landbasierte Casinos, während die interkantonale Geldspielaufsicht Lotterien und Sportwetten kontrolliert. Die Trennung ist rein technisch, aber entscheidend. Sie verhindert, dass sich zuviel auf einmal an einem Ort bündelt und schafft klare Verantwortlichkeiten.
Beide Behörden bedienen sich dabei an Daten, um ihre Arbeit zu machen. Ihre Jahresberichte enthalten Zahlen zu Sperren, Verfahren und Marktverhältnissen. Die Durchführung erfolgt dabei nach klaren Regeln. Verdachtsfälle werden nicht willkürlich geführt, sondern durchlaufen ein festgelegtes Verfahren. Hier unterscheidet sich die Schweiz von vielen anderen Märkten, in denen Regulierung politisch umstritten ist
Spielersperren als messbares Steuerungsinstrument
Das zentrale Mittel der Prävention ist die Spielersperre. Sie gilt online wie offline und gilt schweizweit. Im Jahr 2024 haben die zuständigen Stellen über 18'000 neue Sperren ausgesprochen. Das entspricht einer Steigerung um mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund vier von zehn Sperren wurden auf freiwilliger Basis ausgesprochen. Der Rest ist auf fehlende finanzielle Nachweise oder auffälliges Spielverhalten zurückgegangen.
Am deutlichsten wird der Trend bei jungen Erwachsenen. In der Altersgruppe von 18 bis 30 Jahren ist die Anzahl der Sperren um mehr als ein Drittel gestiegen. Diese Entwicklung ist kein Zufall und fällt mit der starken mobilen Nutzung zusammen. Glücksspiel wird immer weniger an einem festen Ort, sondern unterwegs konsumiert.
Diesem Umstand tragen die Anbieter Rechnung: Das bestes Online Casino auf casino.ch beispielsweise verfügt über mehrstufige Identitätsprüfungen, verpflichtende Einsatz- und Verlustlimits sowie automatisierte Warnsysteme, die auffällige Muster früh erkennen. Spieler geniessen damit nicht nur ein erstklassiges Angebot, sondern maximale Sicherheit beim Spielen.
Das Sperrregister und seine stille Wirkung
Alle Sperren werden zentral im Sperrregister aufgeführt. Vor einem Spiel müssen Anbieter dort abfragen, ob ein Spieler gesperrt ist. Nur die Behörde selbst sieht keine Namen, sie erhält nur zusammengefasste Daten. Das erscheint widersinnig, ist aber so gewollt. Der Staat kontrolliert hier nicht Einzelpersonen, sondern nur die Auswirkungen
Diese Konstruktion erschwert Missbrauch und schützt Daten. Gleichzeitig fordert sie die Anbieter zur aktiven Mitarbeit auf. Wer das Register nicht befolgt, riskiert seine Lizenz und ein Strafverfahren. Die Überwachung erfolgt nicht durch ständiges Kontrollieren, sondern durch Haftung.
Wenn Zahlungsdaten zu Signalen werden
Neben dem Spielverhalten stehen immer mehr Zahlungen im Fokus der Aufsicht. Spielbanken gelten juristisch als Finanzintermediäre. Dementsprechend unterliegen sie dem Geldwäschereigesetz. Dieses verpflichtet zu Identitätsprüfungen, zur Überwachung von Transaktionen und zur Meldung von Verdachtsfällen
Auffällige Muster ziehen jedoch noch keine automatischen Sanktionen nach sich. Stattdessen erfolgen Prüfungen. Ungewöhnlich hohe Einzahlungen, schnelle Wechsel zwischen verschiedenen Zahlungsmitteln oder nicht erklärbare Beträge gelten als Indizien. In diesen Fällen wird ein Verdacht bei der zuständigen Meldestelle gemeldet. Sie prüft, bewertet und leitet den Fall gegebenenfalls weiter
Der aktuelle Risikobericht stuft das Risiko für Geldwäscherei im Schweizer Glücksspiel als gering ein. Diese Einschätzung beruht nicht auf Vermutungen, sondern auf der Kombination aus Begrenzungen, Überwachung und klaren Zahlungswegen. Kryptowährungen sind in diesem Bereich nicht zugelassen.
Unerlaubte Angebote und technische Limits
Neben dem legalen Angebot wird der Aufwand gegen illegale Anbieter immer grösser. Ende 2024 waren über 2'000 Domains gesperrt. Im Laufe eines Jahres kamen mehr als 600 dazu. Diese Zahlen zeigen, wie wandelbar der unerlaubte Markt ist. Das Sperren erfolgt technisch über das Verbot von Zugängen. Polizei und Staatsanwaltschaft führen zudem Hausdurchsuchungen und stellen Strafverfolgungen.
Die Strafverfolgung findet trotzdem Grenzen. Internationale Anbieter wechseln Domainnamen, von dort auf einen anderen Zahlungsweg oder Marketingkanal. Das Sperren verliert somit teilweise an Wirkung.
Kontrolle als laufender Prozess und nicht als Endpunkt
Digitale Suchtprävention endet nicht mit Sperren, Registern oder Zahlungsprüfungen. Sie bleibt ein fortlaufender Prozess, der sich an Nutzungsgewohnheiten, Technik und Marktverhalten anpasst. Behörden und Anbieter justieren ihre Systeme regelmäßig nach, reagieren auf neue Muster und verschieben Schwellenwerte.
Mobile Nutzung, kürzere Spielzyklen und automatisierte Abläufe verändern die Risikolage laufend. Genau deshalb setzt die Schweizer Regulierung weniger auf starre Eingriffe als auf permanente Beobachtung. Kontrolle wird nicht abgeschlossen, sie wird betrieben. Das macht sie unauffällig, aber belastbar.

