Europol – Menschenhandel in Restaurants – auch Schweiz betroffen
Redaktion Polizeiticker Schweiz
Bei einer internationalen Aktion gegen mutmasslichen Menschenhandel sind am Freitag, 18. September 2026, mehr als 70 mögliche Opfer identifiziert worden. Auch zwei Restaurants in der Schweiz wurden kontrolliert.
Bei internationalen Ermittlungen gegen ein mutmassliches Menschenhandelsnetzwerk zur Arbeitsausbeutung sind mehr als 70 mögliche Opfer identifiziert worden. Betroffen sind vor allem indische Staatsangehörige, die in Restaurants unter teils extremen Bedingungen gearbeitet haben sollen. Am 18. September 2026 wurden auch zwei Restaurants in der Schweiz kontrolliert.
An der von den Niederlanden geleiteten und von Europol unterstützten Aktion beteiligten sich Behörden aus Belgien, Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden und der Schweiz. Insgesamt wurden 20 Restaurants kontrolliert: acht in den Niederlanden, sieben in Deutschland, zwei in Luxemburg, zwei in der Schweiz und eines in Belgien. Zwei Personen wurden festgenommen.
Die mutmasslichen Opfer sollen teilweise bis zu 16 Stunden täglich beziehungsweise 60 bis 80 Stunden pro Woche an sechs oder sieben Tagen gearbeitet haben. Nach Angaben von Europol wurden sie unterbezahlt und teilweise daran gehindert, das Land zu verlassen.
Als Spezialköche angeworben, als Reinigungskräfte eingesetzt
Ausgangspunkt der Ermittlungen waren Kontrollen der niederländischen Arbeitsbehörde. Dabei stiessen die Inspektoren auf erhebliche Missstände. Im Fokus stehen drei indische Restaurantketten, für deren Beschäftigte mehr als 70 kombinierte Arbeits- und Aufenthaltsbewilligungen beantragt worden waren.
Diese Bewilligungen sollten eigentlich die Beschäftigung spezialisierter asiatischer Köche ermöglichen. Ermittlungen zufolge wurden jedoch zahlreiche Betroffene stattdessen als Geschirrspüler, Reinigungskräfte, Servicepersonal oder Restaurantleiter eingesetzt. Zudem sollen sie deutlich länger gearbeitet und weniger verdient haben als vorgeschrieben.
Die Ermittler gehen davon aus, dass Beschäftigte auch mit Strafzahlungen bei einer vorzeitigen Kündigung, psychischem Druck, Drohungen mit Gewalt und Druck auf ihre Familien in Indien gefügig gemacht wurden.
Durch die Unterbezahlung und Ausbeutung der Arbeitskräfte soll das kriminelle Netzwerk nach bisherigen Schätzungen mindestens vier Millionen Euro illegalen Gewinn erzielt haben.
Ermittlungen auch zu Restaurants in der Schweiz
Die Behörden vermuten, dass vergleichbare Praktiken auch in weiteren Restaurants der betroffenen oder mit ihnen verbundenen Ketten in Belgien, Deutschland, Luxemburg, Frankreich und der Schweiz stattgefunden haben könnten.
Europol koordinierte den internationalen Informationsaustausch und entsandte einen Experten für Menschenhandel in das Koordinationszentrum in Utrecht. Die Ermittlungen dauern an. Dabei sollen auch die Geldströme und die mutmasslich illegal erzielten Gewinne des Netzwerks weiter untersucht werden.
