Seit Jahren engagieren sich die Behörden der Kantone Schaffhausen, Thurgau und des Landkreises Konstanz zusammen mit der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) für die Verkehrssicherheit auf dem Hochrhein. Aufgrund des zunehmenden Nutzungsdruckes auf dem Rhein sind die Massnahmen unerlässlich und werden deshalb weitergeführt. Auf die kommende Bade- und Schifffahrtssaison hin – vorausgesetzt die Corona-Krise lässt eine solche zu – wird eine neue Präventionskampagne lanciert. Zudem wird die Anzahl Schifffahrtszeichen reduziert. Auf die Saison 2021 hin wird ein Praxistest mit einer Versuchsboje lanciert.
Der Rhein ist nicht nur wunderschön, sondern er stellt für Schwimmer und Bootsführer auch ein anspruchsvolles Gewässer dar, das mit dem nötigen Respekt und mit der gebotenen Vorsicht genutzt werden soll. Es gibt Untiefen und natürliche Hindernisse unter Wasser, die eine Gefahr darstellen. Insbesondere bei hoher Wasserführung gibt es auch starke Strömungen, die ein beachtliches Gefahrenpotenzial aufweisen können. Zu beobachten ist, dass der Nutzungsdruck auf dem Rhein in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Die zuständigen Behörden gehen von einer Verdoppelung der Freizeitboote auf dem Rhein gegenüber vor zehn Jahren aus. Auch die Anzahl Schwimmerinnen und Schwimmer ist angestiegen. Mit der intensiveren Freizeitnutzung des Hochrheins ist leider auch die Wahrscheinlichkeit von Boots- und Badeunfällen grösser geworden. Umso wichtiger ist es, die Schwimmerinnen und Schwimmer und Bootsführerinnen und -führer immer wieder auf die Gefahren aufmerksam zu machen und an die Eigenverantwortung zu appellieren.
Die «Prävention» ist eine Daueraufgabe, welche seit Jahren von den Polizeibehörden wahrgenommen wird. Diese Anstrengungen werden auch künftig intensiv weitergeführt. Auf die Sommersaison hin sind neue Präventionsmassnahmen geplant. So sind u.a. an einzelnen Standorten am Rheinufer gut sichtbare Transparente mit Verhaltenshinweisen vorgesehen. Auch die Kursschiffe der URh sollen als Informationsträger genutzt werden. Die Behörden sind überzeugt, dass diese Massnahmen auf alle Fälle Aufmerksamkeit auf sich ziehen werden. Dabei sind sie sich bewusst, dass die eine oder andere Präventionsmassnahme auch zu kontroversen Reaktionen führen kann und soll. Die geplanten Massnahmen werden schrittweise lanciert, um so eine wiederkehrende Wirkung zu erzielen.
Fahrwasserzeichen – starre Wiffen aus Eichenpfählen – sind für die Schifffahrt auf dem Rhein unverzichtbare Navigationshilfen. Die Kapitäne der Kursschiffe müssen aufgrund von Untiefen und Strömungsänderungen metergenau navigieren können, dies auch bei schlechten Sichtverhältnissen und in der Nacht. Die Navigationsgeräte in den Kursschiffen unterstützen die Kapitäne. Die Signale sind jedoch zeitverzögert. Im Fliessgewässer Rhein kann die Sicherheit ohne Fahrwasserzeichen nicht gewährleisten werden. Auch die Kapitäne der Freizeitboote und die Schwimmer sind auf die Schifffahrtszeichen angewiesen. Die heute eingesetzten Wiffen mit den reflektierenden Signalen zeigen ihnen aus grosser Distanz die Fahrlinie der Kursschiffe an, sodass sie sich rechtzeitig aus der Gefahrenzone bewegen können. Die robusten Wiffen bewähren sich seit Jahrzehnten auch bei Hochwasser und trotz Treibgut (Seegras, Äste, Baumstämme). Sie bergen jedoch ein gewisses Gefahrenpotenzial für den Freizeitverkehr auf dem Fluss. Immer wieder kommt es meist aufgrund mangelnder Sorgfalt der Rheinnutzer zu gefährlichen Kollisionen.
Die Experten von Tiefbau Schaffhausen und der URh haben die Notwendigkeit jeder einzelnen Wiffe zwischen Schaffhausen und Eschenz neu beurteilt. In Abwägung der Risiken kommen die Experten zum Schluss, dass von den insgesamt fünfzig Wiffen voraussichtlich deren sechs entfernt werden können. Vier Wiffen, die Nummern 41, 71, 73 und 79, können ohne Begleitmassnahmen kurzfristig entfernt werden. Bei weiteren zwei Wiffen, den Nummern 47 und 53, müssen vorgängig noch Abklärungen zu Hindernissen am Grund (Findling oder Fels) gemacht werden, weshalb die Entfernung voraussichtlich erst im nächsten Winter erfolgen kann. Weiter plant Tiefbau Schaffhausen auf die Saison 2021 hin einen neuen Praxistest mit einer Boje mit ovaler Form zur besseren Stabilität. Der Bojentest ist über eine Dauer von mindestens zwei Saisons geplant, um die Praxistauglichkeit bei Nieder- und Hochwasser nachzuweisen. Die Behörden haben bereits in den vergangenen Jahren alternative Schifffahrtszeichen geprüft, unter anderem auch eine Wiffe mit Drehkörper. Die Versuche waren allerdings nicht erfolgreich. Entweder haben sich die Alternativen in der Praxis nicht bewährt oder sie führten zu anderen, mit Wiffen vergleichbaren Risiken.


