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Polizeikontrolle in Kloten ZH: "Freunde mussten die Unterhosen runterlassen"

Sven Grunwald

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Er und seine beiden Arbeitskollegen waren gerade vom Mittagessen zurück auf dem Weg zur Arbeit. Dann kamen sie in eine Polizeikontrolle, über die kontrovers diskutiert wird.

Leo Rüegg ist Sanitär-Mitarbeiter und war am 10. August mit zwei jungen Arbeitskollegen auf dem Rückweg vom Mittagessen in Bülach zur Arbeit. Der 56-Jährige und die Kollegen sassen im Firmen-Lieferwagen, als die Polizei sie in Kloten kontrollieren wollte, erzählt er.
"Der Polizist sagte: 'In der Führerkabine riecht es stark nach Cannabis.'", so der 56-Jährige. Für die drei war dieser Verdacht völlig unbegründet. "Wir haben alle nichts mit Drogen am Hut – und sicher nicht im Geschäftsauto. Ich weiss nicht einmal, wie Cannabis riecht." Der Handwerker vermutet, dass es im Auto noch nach Pizza gerochen haben könnte. "Mein Kollege hat eine Pizza Dracula gegessen, mit Zwiebeln und Knoblauch. Das haben wir dem Polizisten auch gesagt."
Doch dieser sei hart geblieben. Schlussendlich musste der Mitarbeiter aussteigen, seine Taschen leeren und sich dann am ganzen Körper abtasten lassen - auch im Genitalbereich, wie er erzählt. "Das war schon peinlich." Seine jüngeren Arbeitskollegen seien allerdings noch genauer kontrolliert worden. "Sie mussten die Hosen öffnen und die Unterhosen bis an die Knie runterlassen. Das am helllichten Tag, vor einer stehenden Autokolonne und vor Dutzenden Augen. Das grenzt für mich an sexuelle Nötigung."
Er habe seit der Kontrolle viele schlaflose Nächte gehabt. Er könne es zwar verstehen, dass bei der Polizei manchmal gewisse Massnahmen nötig seien, jedoch ginge diese Aktion nach seinem Geschmack zu weit. "Es darf nicht sein, dass man in der Schweiz auf eine dermassen erniedrigende, peinliche und auch sexistische Art von einem Polizeibeamten, auch noch mit erfundenem Tatverdacht, auf öffentlichem Grund genötigt, blossgestellt, so untersucht und begrabscht wird." Rüegg wandte sich deshalb an die Ombudsstelle des Kantons Zürich. "Ich wollte wissen, ob das überhaupt rechtens ist."
Bei Verdacht ein übliches Verfahren
Nun liegt ihm auch eine Stellungnahme der Kantonspolizei vor. In dieser heisst es, berichtet "20 Minuten", dass das Fahrzeug angehalten worden sei, da einer der Insassen nicht angegurtet gewesen sei. "Beim ersten Kontakt und auch beim nachfolgenden einleitenden Gespräch nahm der handelnde Polizeifunktionär einen starken Marihuanageruch aus dem Fahrzeuginneren wahr."
Die anschliessende eingehende Kontrolle bei Rüegg stelle "das übliche Vorgehen bei Verdacht auf Cannabiskonsum oder -besitz dar". Weiter: "Eine allfällige kurze Streifung des Intimbereichs im Rahmen des Abtastens ist dabei möglich, geschieht aber nicht beabsichtigt."
Die Kantonspolizei stellt die Kontrolle der beiden Arbeitskollegen anders dar als Rüegg. "Es trifft gemäss Darlegung unserer Polizeifunktionäre nicht zu, dass die beiden 'die Hosen herunterlassen' mussten. Zudem befand sich der Kontrollort zwischen dem Lieferwagen mit geschlossenem Kastenaufbau und einem Gebüsch. Die Einsicht war ferner durch das Dienstfahrzeug abgeschirmt. Somit waren die Kontrollierten ausreichend vor Blicken Dritter geschützt."
Laut der Stellungnahme der Polizei haben die beiden Handwerker der Polizei zugestimmt, dass ihnen kurz in die Unterhosen geschaut wurde. Auch der Zürcher Ombudsmann stützt diese Aussage.
Kleines Trostpflaster: Die drei kamen ohne Busse davon. Derjenige, der keinen Gurt getragen hatte, wurde lediglich ermahnt. Rüegg gibt ausserdem zu: «Im Lieferwagen befand sich Hanf. Allerdings zur Isolation von Rohren."

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