Ehrengrab auf dem Friedhof am Hörnli, Riehen, Basel-Stadt (Bildquelle: EinDao - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0)
1976 wurden in einem abgelegenen Haus bei Seewen fünf Menschen erschossen, der Täter wurde nie gefasst.
Heute widmen wir uns einem Fall, der zwar verjährt ist, aber vielen bis heute in Erinnerung geblieben ist und einige Fragen offenlässt: dem Mordfall Seewen.
Ein abgelegenes Wochenendhaus mit dem Namen Waldeggli im Bannwald etwas abseits des Dorfes Seewen im solothurnischen Schwarzbubenland, fünf Opfer und ein Täter, der nie gefasst wurde: Der Mordfall Seewen zählt bis heute zu den rätselhaftesten Verbrechen der Schweizer Kriminalgeschichte.
Die Tat
Am 5. Juni 1976, dem Samstag vor Pfingsten, werden in einem kleinen Wochenendhaus namens „Waldeggli“ im Bannwald bei Seewen fünf Menschen erschossen.
Die Opfer:
- Elsa Siegrist-Säckinger (62)
- Eugen Siegrist (63)
- Anna Westhäuser-Siegrist (80)
- Emanuel Westhäuser (52)
- Max Westhäuser (49)
Alle Opfer werden aus kurzer Distanz, teilweise aus weniger als drei Metern, durch Schüsse in Kopf und Oberkörper getötet. Hinweise auf Fluchtversuche gibt es nicht. Fest steht: Der Täter war ein treffsicherer Schütze und kannte sich mit Waffen aus.
Entdeckt wird das Verbrechen einen Tag später, am 6. Juni 1976, durch die Tochter der Hausbesitzer.
Unbemerkt trotz Schüssen
Obwohl mehrere Schüsse abgegeben werden, fällt die Tat zunächst nicht auf. In der Nähe befindet sich nämlich ein Schiessstand, zudem sind in diesen Tagen Jäger unterwegs, mögliche Gründe, warum die Schüsse nicht als ungewöhnlich wahrgenommen wurden.
Erste Spur
Noch am Tag der Tat findet die Polizei das Auto der Opfer, einen grünen Opel Ascona, zwischen Münchenstein und Muttenz.
Am Tatort sichern die Ermittler 13 Patronenhülsen, die auf eine Winchester-Replika hinweisen. Lange Zeit bleibt dies der einzige konkrete Anhaltspunkt.
Umfangreiche Ermittlungen
Die Ermittlungen verlaufen in verschiedene Richtungen:- persönliche und familiäre Hintergründe
- mögliche Verbindungen in die Zeit des Nationalsozialismus (Anna Westhäusers Mann, ein Deutscher, war Nationalsozialist und Musiker)
- berufliche Kontakte des Opfers Eugen Siegrist (Chemiekonzern Ciba)
- Hinweise auf mögliche Geheimdienstverbindungen
- mehr als 9.000 Hinweise geprüft
- rund 10.000 Personen befragt
- zahlreiche Wohnungen durchsucht
- mehrere Tatverdächtige überprüft
Ein Durchbruch bleibt aus.
Die Tatwaffe
Erst 20 Jahre später, 1996, wird die mutmaßliche Tatwaffe entdeckt, versteckt bei Bauarbeiten in einem Haus in Olten.
Dabei handelt es sich um eine Winchester-Replika mit abgesägtem Lauf. Neben der Waffe finden sich Dokumente, die auf einen Mann namens Carl Doser hinweisen.
Die Polizei befragte Carl Doser bereits 1976, weil er eine ähnliche Waffe besass. Wo diese geblieben war, konnte er nicht erklären. Ein Zusammenhang mit den Opfern konnte jedoch nie belegt werden.
Neue Hinweise – keine Lösung
Auch spätere Aussagen und Zeugenaussagen, darunter Hinweise aus dem Jahr 2018, führten zu keinen belastbaren Ergebnissen.
Die Ermittlungen wurden schließlich eingestellt.
Ein ungelöster Fall
Seit 2006 sind die Taten verjährt. Der Mordfall Seewen bleibt damit offiziell ungeklärt und gilt bis heute als eines der größten ungelösten Verbrechen der Schweiz.



