Ein defektes Mofa, rätselhafte Zeugenaussagen und zwei widerrufene Geständnisse: Im Sommer 1981 verschwindet die 18-jährige Annika Hutter im Kanton Zürich. Mehr als vier Jahrzehnte später ist noch immer unklar, was mit der jungen Frau geschah.
Ein rätselhafter Fall für unsere Ungelöst-Reihe führt uns heute in den Kanton Zürich und mehr als vier Jahrzehnte zurück.
Die 18-Jährige kommt nie in Winterthur an
Es ist Samstag, der 11. Juli 1981. Die 18-jährige Annika Hutter verlässt ihr Zuhause in Nürensdorf im Kanton Zürich. Mit ihrem Mofa will sie zu einem Treffen mit Klassenkameraden ins rund zehn Kilometer entfernte Winterthur fahren.
Doch dort kommt sie nie an.
Als Annika am Abend nicht nach Hause zurückkehrt, werden ihre Eltern unruhig. Die junge Frau gilt als zuverlässig und hätte ihrer Familie normalerweise Bescheid gegeben, wenn sie später nach Hause gekommen wäre oder bei einer Freundin hätte übernachten wollen.
Bei Nachfragen unter ihren Klassenkameraden stellt sich heraus: Annika ist bei dem Treffen nicht angekommen.
Ihre Eltern melden sie als vermisst.
Ihr Mofa steht versteckt im Wald
Bereits am folgenden Tag, dem 12. Juli 1981, gibt es einen ersten Hinweis.
An der Strecke nach Winterthur wird bei Kemptthal Annikas Mofa entdeckt. Das Fahrzeug steht rund 50 Meter von der Strasse entfernt in einem Waldstück.
Bei der Untersuchung stellt sich heraus, dass das Mofa einen technischen Defekt aufweist. Die Ermittler vermuten deshalb, dass Annika ihre Fahrt nicht fortsetzen konnte und das Fahrzeug selbst zwischen den Bäumen abgestellt hatte.
Was danach geschah, bleibt unklar.
Eine grossangelegte Suche beginnt
In den folgenden Tagen und Wochen durchsuchen Polizisten und freiwillige Helfer die Umgebung von Kemptthal und Lindau. Auch Annikas Familie, Freunde und Mitschüler beteiligen sich an der Suche, hängen Plakate auf und bitten öffentlich um Hinweise.
Die Suche bleibt ohne Ergebnis.
Der Fall wird bald auch über die Region hinaus bekannt. Am 24. Juli 1981 wird Annikas Verschwinden in der Fernsehsendung «Aktenzeichen XY… ungelöst» aufgegriffen.
Nach der Ausstrahlung melden sich Zeugen mit neuen Hinweisen.
Wurde Annika in einem Mofa-Anhänger gesehen?
Mehrere Personen geben an, Annika nach ihrem Verschwinden in einem Mofa-Anhänger zwischen Kemptthal und Dübendorf gesehen zu haben.
Der beschriebene Anhänger fällt auf: Er soll etwa 1,40 Meter hoch, aus braunem Holz und vermutlich selbst gebaut gewesen sein. Solche Anhänger wurden damals beispielsweise zum Transport von Laub und Abfällen verwendet.
Auf Grundlage der Zeugenaussagen veröffentlicht die Polizei eine Zeichnung des ungewöhnlichen Gefährts.
Auch der Fahrer wird beschrieben. Demnach soll es sich um einen etwa 30 Jahre alten Mann mit zerzausten braunen Haaren gehandelt haben, der einen eher ungepflegten Eindruck machte.
Nach der vorliegenden Darstellung ziehen die Ermittler die Möglichkeit in Betracht, dass Annika einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen sein könnte. Die Hinweise auf den unbekannten Mofafahrer führen jedoch zu keinem eindeutigen Ergebnis.
Ein Mann gesteht – und widerruft
Ein Jahr später kommt erneut Bewegung in den Fall.
1982 gerät ein 23-jähriger Mann ins Visier der Ermittler, der im Zusammenhang mit dem Tod eines Mädchens aus St. Gallen beschuldigt wird. Bei einer Vernehmung behauptet er, auch Annika Hutter getötet zu haben.
Später widerruft er sein Geständnis.
Der Mann wird im anderen Fall zunächst wegen Mordes verurteilt, später jedoch mangels Beweisen freigesprochen. Eine Beteiligung am Verschwinden von Annika kann ihm ebenfalls nicht nachgewiesen werden.
1988 folgt ein zweites Geständnis
Sieben Jahre nach Annikas Verschwinden behauptet ein bereits inhaftierter Zweifachmörder ebenfalls, die junge Frau getötet zu haben.
Er gibt an, Annika als Anhalterin mitgenommen, missbraucht, getötet und anschliessend verscharrt zu haben.
Doch bereits am nächsten Tag zieht auch dieser Mann sein Geständnis zurück.
Ein Sonderstaatsanwalt und ein forensischer Psychiater sollen die ursprüngliche Aussage dennoch für glaubwürdig gehalten haben. Beweise, die eine Beteiligung des Mannes zweifelsfrei hätten belegen können, werden jedoch nicht gefunden.
Jahrzehnte später gibt es einen neuen Hinweis
Der Fall gerät dennoch nicht vollständig in Vergessenheit.
Eine private Interessengemeinschaft beschäftigt sich weiterhin mit Annikas Verschwinden und startet Jahre später erneut Zeugenaufrufe. Daraufhin meldet sich eine Frau, die einen Verdacht äussert.
Sie vermutet, dass der damalige Partner einer Freundin etwas mit Annikas Verschwinden zu tun gehabt haben könnte. Die Frau beschreibt zudem einen Anhänger, den der Mann damals besessen haben soll. Ihre Beschreibung soll Ähnlichkeiten mit jenem Mofa-Anhänger aufweisen, nach dem bereits 1981 gesucht worden war.
Zu einer offiziellen Aussage ist die Frau jedoch nicht bereit.
Mitglieder der Interessengemeinschaft verfolgen den Hinweis nach eigenen Angaben dennoch weiter. Ein früherer Zeuge soll den betreffenden Mann später auf einem Foto als jenen Mofafahrer wiedererkannt haben, den er 1981 mit Annika im Anhänger gesehen haben will.
Was geschah mit Annika Hutter?
Bis heute gibt es darauf keine gesicherte Antwort.
Ob die damaligen Sichtungen im Mofa-Anhänger tatsächlich Annika betrafen, ob der unbekannte Fahrer etwas mit ihrem Verschwinden zu tun hatte oder ob eines der später widerrufenen Geständnisse einen wahren Kern enthielt, ist ungeklärt.
Für keine dieser Möglichkeiten gibt es nach dem vorliegenden Material einen eindeutigen Beweis.
Fest steht: Annika Hutter verliess am 11. Juli 1981 ihr Zuhause in Nürensdorf und kam nicht bei dem geplanten Treffen in Winterthur an. Einen Tag später wurde ihr defektes Mofa bei Kemptthal gefunden.
Annika selbst bleibt verschwunden.


