Nach seinen ersten Morden begann der Zodiac Killer ein perfides Spiel mit Polizei und Öffentlichkeit. Mit rätselhaften Briefen, verschlüsselten Botschaften und immer neuen Drohungen machte der unbekannte Serienmörder weltweit Schlagzeilen und schürte die Angst in ganz Kalifornien.
Im ersten Teil unserer Serie standen die ersten vier bestätigten Angriffe des Zodiac Killers im Mittelpunkt. Doch erst danach begann das, was den unbekannten Serienmörder weltweit berüchtigt machte: Er schrieb Briefe an Zeitungen, verschlüsselte Botschaften und forderte Polizei und Öffentlichkeit heraus.
Der Täter meldet sich selbst
Nur wenige Wochen nach dem Doppelmord an Darlene Ferrin und Mike Mageau am 4. Juli 1969 erhält die Presse rätselhafte Post.
Am 31. Juli 1969 gehen nahezu identische Briefe bei den Zeitungen Vallejo Times-Herald, San Francisco Chronicle und San Francisco Examiner ein. Der unbekannte Verfasser übernimmt darin die Verantwortung für die beiden ersten Angriffe und nennt Details, die damals nur der Täter kennen konnte.
Gleichzeitig stellt er eine Forderung: Die Zeitungen sollen seine Briefe auf ihren Titelseiten veröffentlichen. Andernfalls werde er am Wochenende weitere Menschen töten.
Die Redaktionen entscheiden sich, den ungewöhnlichen Forderungen nachzukommen.
Eine verschlüsselte Botschaft
Jedem der drei Briefe liegt ein Drittel einer verschlüsselten Nachricht bei. Gemeinsam ergeben die drei Teile eine 408 Zeichen lange Chiffre, deren Entschlüsselung den Ermittlern zunächst nicht gelingt.
Schliesslich schafft es das Lehrerehepaar Donald und Bettye Harden, den Code innerhalb weniger Tage zu knacken.
Die Botschaft ist verstörend. Der Täter schreibt unter anderem, dass ihm das Töten von Menschen Spass bereite und er glaube, seine Opfer würden ihm nach dem Tod als Sklaven dienen. Seinen Namen verrät er jedoch nicht.
Erste verschlüsselte Botschaft des Zodiac-Killers, nach Robert Graysmith: „Ich mag es, Menschen zu töten, weil es so viel Spass macht. [...] Wenn ich sterbe, werde ich im Paradies wiedergeboren und die Menschen, die ich getötet habe, werden zu meinen Sklaven. Ich werde euch meinen Namen nicht verraten [...].“
Zum ersten Mal nennt er sich „Zodiac“
Am 7. August 1969 folgt dann der nächste Brief. Darin beginnt der unbekannte Täter mit den Worten:
„This is the Zodiac speaking.“
Von diesem Zeitpunkt an wird der unbekannte Serienmörder weltweit nur noch unter diesem Namen bekannt. Unterzeichnet sind seine Briefe mit einem auffälligen Fadenkreuz-Symbol, das zu seinem Markenzeichen wird.
Ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel
Der Zodiac Killer beschränkt sich nicht auf Briefe. Nach mehreren Taten ruft er selbst bei Polizeidienststellen an und meldet die Verbrechen mit ruhiger Stimme. Teilweise gibt er Informationen preis, die nur der Täter kennen kann.
Mit jedem Schreiben wächst demnach der öffentliche Druck auf die Ermittler.
Zeitungen veröffentlichen seine Botschaften, Radiosender berichten nahezu täglich über den Fall und in ganz Nordkalifornien wächst die Angst vor dem unbekannten Mörder.
Drohungen gegen Schulkinder
Besonders grosse Besorgnis löst ein weiterer Brief aus. Der Zodiac Killer behauptet darin, einen Schulbus voller Kinder angreifen zu wollen. Er beschreibt sogar, wie er dabei vorgehen würde.
Obwohl es nie zu einem solchen Angriff kommt, reagieren zahlreiche Schulen mit zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen. Eltern bringen ihre Kinder selbst zur Schule oder holen sie wieder ab. Die Drohung sorgt weit über Kalifornien hinaus für Schlagzeilen.
Weitere Chiffren
In den folgenden Jahren schickt der Zodiac Killer weitere Briefe und verschlüsselte Botschaften an Medien und Polizei.
Einige können entschlüsselt werden, andere beschäftigen Kryptologen immer noch. Besonders berühmt wird die sogenannte 340-Zeichen-Chiffre, deren Inhalt erst im Jahr 2020 von einem internationalen Team aus Codeexperten entschlüsselt werden kann.
Einen entscheidenden Hinweis auf die Identität des Täters liefert jedoch auch diese Nachricht nicht.
Bis heute ungeklärt
Insgesamt werden dem Zodiac Killer zahlreiche Briefe zugeschrieben. Ob tatsächlich alle vom selben Verfasser stammen, ist bis heute umstritten.
Fest steht jedoch: Kaum ein anderer Serienmörder verstand es so geschickt, die Medien für sich zu nutzen und Polizei wie Öffentlichkeit über Jahre hinweg in Atem zu halten.
Fortsetzung folgt
Im dritten Teil unserer Serie werfen wir einen Blick auf die Verdächtigen. Wer galt über Jahrzehnte als Hauptverdächtiger? Welche Spuren verfolgten die Ermittler? Und warum konnte der Zodiac Killer trotz DNA, Fingerabdrücken und moderner Kriminaltechnik bis heute nicht eindeutig identifiziert werden?

