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78 Festnahmen – Europol zerschlägt mächtiges Schmugglernetzwerk

Redaktion Polizeiticker Schweiz

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Ein Polizist der Guardia Civil steht in einem grünen Gebiet und spricht in ein Funkgerät. Er trägt eine grüne Uniform und taktische Ausrüstung.
Symbolbild (Bildquelle: Frederick Adegoke Snr. by Pexels)

Ein internationales Schmugglernetzwerk, das Drogen, Waffen und Migranten zwischen Europa und Algerien transportiert haben soll, wurde durch Europol zerschlagen. Bei der grossangelegten Operation wurden 78 Verdächtige festgenommen.

Europol hat eine von Spanien geführte Ermittlung gegen eines der grössten Schmugglernetzwerke im westlichen Mittelmeer unterstützt. Die kriminelle Organisation soll unter anderem Cannabis, synthetische Drogen, Waffen und Migranten zwischen Europa und Algerien transportiert haben. Auch flüchtige Straftäter sollen mit Hilfe des Netzwerks geschleust worden sein.
Bei der Operation wurden insgesamt 78 Verdächtige in Spanien und Algerien festgenommen, darunter drei von den Ermittlern als besonders wichtige Zielpersonen eingestufte Personen. In Alicante, Almería, Cartagena und Murcia durchsuchten die Einsatzkräfte 17 Objekte.

Schnellboote im Wert von mehr als fünf Millionen Euro

Die Ermittler stellten 18 Hochgeschwindigkeitsboote im Gesamtwert von mehr als fünf Millionen Euro sicher. Darunter befanden sich bis zu 14 Meter lange Boote mit jeweils drei oder vier Motoren.
Teilweise handelte es sich um sogenannte „Ghost Speedboats“. Aufgrund ihrer Länge und Motorleistung sind derartige Schnellboote in Spanien verboten. Sie werden nach Angaben von Europol häufig von Gruppierungen der organisierten Kriminalität eingesetzt.
Bei der Operation wurden zudem unter anderem ein Revolver des Kalibers .38, eine nachgebildete Maschinenpistole, Munition und mehr als 25'000 Euro Bargeld sichergestellt. Hinzu kamen rund 15'000 MDMA-Tabletten mit einem Gesamtgewicht von sieben Kilogramm, 61 Kilogramm Haschisch und 500 Gramm Kokain. Auch Satellitentelefone, GPS-Geräte und verschlüsselte Kommunikationsmittel wurden beschlagnahmt.

Netzwerk arbeitete wie ein Logistikunternehmen

Nach Erkenntnissen der Ermittler funktionierte die Organisation ähnlich wie ein professionelles Logistikunternehmen und bot ihre Infrastruktur auch anderen kriminellen Gruppierungen an.
Mitglieder des Netzwerks kümmerten sich demnach um die Lagerung und den Transport illegaler Güter, die Wartung der Boote, Treibstofflieferungen und das Betanken der Schnellboote auf See. Andere Mitglieder waren als Bootsführer, Sicherheitskräfte, Anwerber oder Finanzverantwortliche tätig.
Das Netzwerk soll über eine eigene Flotte verfügt und Übergaben auf hoher See in internationalen Gewässern vor der spanischen Küste organisiert haben. Anschliessend übernahmen andere Mitglieder den Weitertransport an Land.

Verbindungen zur „Mocro Mafia“

Die Verdächtigen stammen laut Europol überwiegend aus Algerien und verfügten über Verbindungen zu kriminellen Gruppierungen in Frankreich, Belgien, Portugal, Italien und Polen.
Darüber hinaus sollen Verbindungen zu grösseren Strukturen der organisierten Kriminalität bestanden haben, darunter zur sogenannten „Mocro Mafia“ und zum kriminellen Milieu von Marseille.
Die Organisation soll massive Gewalt eingesetzt haben, um ihre Kontrolle über Mitglieder und Migranten aufrechtzuerhalten. Europol berichtet von Schusswaffen, Drohungen und Auftragskillern. Auch gegenüber Polizeikräften sollen Drohungen ausgesprochen worden sein.

Bis zu 12'000 Euro pro geschleuster Person

Das Netzwerk soll sich ursprünglich auf den Drogenhandel konzentriert und sein Geschäftsmodell später erheblich ausgeweitet haben. Dabei nutzte die Organisation die Fahrten über das Mittelmeer offenbar in beide Richtungen.
Von Spanien und Portugal nach Algerien wurden laut den Ermittlern unter anderem synthetische Drogen wie MDMA sowie Schusswaffen und Sprengstoff geschmuggelt. Auf dem Rückweg von Algerien nach Spanien transportierte das Netzwerk unter anderem Migranten und Cannabis.
Für die Überfahrt nach Europa sollen Migranten bis zu 12'000 Euro pro Person bezahlt haben. Auf einer einzigen Fahrt konnten nach Angaben von Europol mehr als 50 Menschen transportiert werden. Allein mit der Schleusung von Migranten soll die Organisation mehr als 24 Millionen Euro erwirtschaftet haben.

Migranten ohne Schwimmwesten auf überfüllten Booten

Für die geschleusten Menschen waren die Überfahrten mit erheblichen Gefahren verbunden. Sie sollen teilweise in überfüllten Booten ohne Beleuchtung und Schwimmwesten und auch bei extremen Wetterbedingungen über das Mittelmeer gebracht worden sein.
Die Ermittler gehen zudem davon aus, dass Mitglieder des Netzwerks Migranten körperlich misshandelten und sexuelle Übergriffe begingen. Menschen sollen ausserdem unter menschenunwürdigen Bedingungen in provisorischen Unterkünften untergebracht worden sein.

Führung soll in Frankreich und Belgien gesessen haben

Das Netzwerk verfügte nach Erkenntnissen der Ermittler über klar definierte Untergruppen und eine stabile Hierarchie. Dadurch konnte die Organisation offenbar selbst dann weiterarbeiten, wenn einzelne Mitglieder inhaftiert wurden.
Operative Stützpunkte bestanden in Almería, Murcia, Cartagena, Alicante und Ibiza sowie in Frankreich, Belgien, Portugal, Italien und Polen. Die Führung des Netzwerks soll sich in Frankreich und Belgien aufgehalten haben.
An der Ermittlung waren neben spanischen Behörden auch die französische Nationalpolizei, die portugiesische Kriminalpolizei und der polnische Grenzschutz beteiligt. Europol unterstützte die Ermittlungen unter anderem bei der Analyse und beim internationalen Informationsaustausch.
Am Einsatztag am 16. Juni 2026 waren zudem drei Europol-Experten in Spanien vor Ort. Sie glichen operative Daten in Echtzeit mit den Europol-Datenbanken ab und unterstützten die Ermittler technisch und forensisch.
Quelle der Meldung: Europol

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Ausland

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