Camignolo TI – Anklage gegen zwei Polizisten nach Demonstration
Redaktion Polizeiticker Schweiz
Nach einem Polizeieinsatz bei einer Demonstration in Camignolo im Oktober 2025 hat die Staatsanwaltschaft zwei Polizisten angeklagt. Die Fesselung einer Frau mit Handschellen wurde als unverhältnismässig bewertet. Den Beamten wird Amtsmissbrauch vorgeworfen.
Der Vorfall ereignete sich am 13. Oktober 2025 bei der Mittelschule in Camignolo. Dort fand am Rande einer politischen Veranstaltung eine nicht bewilligte Demonstration statt. Bei dem Polizeieinsatz wurde eine Frau mit Handschellen gefesselt. Das Vorgehen der Polizei hatte anschliessend Kritik und öffentliche Diskussionen ausgelöst.
Handschellen laut Staatsanwaltschaft unverhältnismässig
Die Staatsanwaltschaft untersuchte den Vorfall anhand von Zeugeneinvernahmen, Videoaufnahmen und weiteren Akten. Dabei kam sie zum Schluss, dass die Verwendung von Handschellen gegenüber der Frau unter den konkreten Umständen unverhältnismässig gewesen sei. Generalstaatsanwalt Andrea Pagani erliess daraufhin zwei Anklageschriften.
Die Anklagen richten sich gegen einen diensthabenden Verantwortlichen der Kantonspolizei, der das Anlegen der Handschellen angeordnet und selbst durchgeführt haben soll, sowie gegen einen Beamten der Stadtpolizei Lugano, der daran beteiligt gewesen sein soll. Beiden werden Amtsmissbrauch und Körperverletzung vorgeworfen.
Die Staatsanwaltschaft schlägt bedingte Geldstrafen von 15 beziehungsweise 10 Tagessätzen mit einer Probezeit von zwei Jahren vor. Hinzu kommen jeweils eine Busse und die Verfahrenskosten.
Die beiden Beamten haben zehn Tage Zeit, um gegen die Strafbefehle Einsprache zu erheben. Bis zu einem rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt für beide Beschuldigten die Unschuldsvermutung.
Quelle der Polizeinachricht: Kantonspolizei Tessin