Bei einer internationalen Polizeiaktion gegen ein mutmassliches Drogen- und Gewaltnetzwerk mit Verbindungen zum Westbalkan sind insgesamt 47 Verdächtige festgenommen worden.
Bei einer internationalen Polizeiaktion gegen ein mutmassliches Drogen- und Gewaltnetzwerk mit Verbindungen zum Westbalkan sind 47 Tatverdächtige festgenommen worden. Die kriminelle Organisation soll europaweit grosse Mengen Drogen geschmuggelt und im Zusammenhang mit internen Konflikten auch Morde, Entführungen und Anschläge mit Handgranaten verübt haben.
Die von Europol unterstützte Operation erreichte am Dienstag, 6. Oktober 2026, ihren Höhepunkt. Einsatzkräfte durchsuchten insgesamt 42 Objekte in Slowenien und Spanien. Dabei wurden 34 Personen in Slowenien sowie jeweils eine Person in Spanien und Kroatien festgenommen. Elf weitere Verdächtige waren bereits zuvor verhaftet worden.
Bei den jüngsten Durchsuchungen stellten die Behörden 66 Kilogramm Drogen, darunter 51 Kilogramm Cannabis und 15 Kilogramm Amphetamin, sowie Schusswaffen, Schmuck und Bargeld sicher.
Morde, Entführungen und Handgranatenangriffe
Nach Erkenntnissen der Ermittler soll das Netzwerk nicht nur im internationalen Drogenhandel tätig gewesen sein, sondern auch schwere Gewalttaten organisiert haben.
Die Ermittlungen brachten die Gruppe mit mehreren Schiessereien, Morden, versuchten Tötungsdelikten und der Entführung eines eigenen Mitglieds in Verbindung. Bei Angriffen auf Mitglieder der Organisation oder deren Angehörige sollen auch Sprengsätze und Handgranaten eingesetzt worden sein.
Hintergrund der Gewalt waren offenbar verlorene Drogenlieferungen, Beschlagnahmungen und interne Streitigkeiten. Mit den Angriffen sollen Verantwortliche bestraft, finanzielle Verluste ausgeglichen und die Kontrolle innerhalb des Netzwerks aufrechterhalten worden sein.
Zu den Verdächtigen gehören Staatsangehörige aus Bosnien und Herzegowina, Serbien, Slowenien, Bulgarien, der Türkei und den Niederlanden.
Drogen zwischen legalen Waren versteckt
Für den Transport der Betäubungsmittel nutzte das Netzwerk nach Angaben von Europol bestehende Handelsrouten. Die Drogen wurden zwischen regulären Warenlieferungen versteckt und mit Lastwagen, Lieferwagen und Autos durch Europa transportiert.
Die Fahrer sollen vorwiegend aus Slowenien, Bosnien und Herzegowina sowie Bulgarien rekrutiert worden sein. Kokain, Cannabis, Amphetamin, MDMA und Methamphetamin wurden unter anderem aus Belgien, den Niederlanden und Spanien in andere europäische Länder gebracht.
Zur Kommunikation verwendeten die Beteiligten verschlüsselte Plattformen wie SKY ECC und CryptCom, um Transporte zu koordinieren und ihre Aktivitäten vor den Behörden zu verbergen.
Ermittlungen decken tonnenweisen Drogenhandel auf
Zwischen Februar 2022 und September 2026 beschlagnahmten die Behörden bereits erhebliche Mengen illegaler Substanzen:- 253 Kilogramm Kokain
- 404 Kilogramm Cannabis
- 18,8 Kilogramm Methamphetamin
- 825 Gramm MDMA
Hinzu kamen 550 Liter Essigsäureanhydrid, eine Chemikalie, die zur Drogenherstellung verwendet werden kann, sowie mehrere Schusswaffen und Munition.
Die Auswertung verschlüsselter Nachrichten und weiterer Beweismittel ergab jedoch Hinweise auf einen deutlich umfangreicheren Drogenhandel.
Den Verdächtigen werden voraussichtlich weitere Geschäfte mit rund 2,5 Tonnen Cannabis, 474 Kilogramm Kokain, 104 Kilogramm Heroin und 30 Kilogramm Amphetamin zur Last gelegt. Hinzu kommen unter anderem MDMA, Ketamin, Haschisch, 18'000 Ecstasy-Tabletten und 1'000 Einheiten psychoaktiver Pilze.
Ermittler aus 22 Ländern beteiligt
An den internationalen Ermittlungen waren Vertreter aus 22 Ländern beteiligt. Europol unterstützte die beteiligten Behörden bei der Analyse der Beweismittel und der Koordination der Einsätze.
Während der Polizeiaktion am 6. Oktober wurden die grenzüberschreitenden Massnahmen von einem Koordinationszentrum in Ljubljana aus begleitet. Dort arbeiteten unter anderem ein Europol-Experte und ein kroatischer Ermittler zusammen, um die Festnahmen in den beteiligten Ländern in Echtzeit abzustimmen.
Die Ermittlungen gegen das weitreichende Drogen- und Gewaltnetzwerk dauern an.
