Kanton Neuenburg – Digitale Kriminalität wird zur grössten Sorge
Redaktion Polizeiticker Schweiz
Symbolbild (Bildquelle: Polizei)
Die Bevölkerung im Kanton Neuenburg fühlt sich weiterhin mehrheitlich sicher. Eine neue Sicherheitsumfrage zeigt hohe Zufriedenheit und grosses Vertrauen in die Polizei, gleichzeitig nehmen die Sorgen über digitale Kriminalität und Verkehrssicherheit deutlich zu.
Der Staatsrat und die Neuenburger Polizei haben die Ergebnisse der Sicherheitsumfrage 2025 präsentiert. Die breit abgestützte Untersuchung zeigt insgesamt ein hohes Sicherheits- und Zufriedenheitsniveau im Kanton. Gleichzeitig werden jedoch wachsende Sorgen im Zusammenhang mit digitaler Kriminalität und der Verkehrssicherheit deutlich.
Die Umfrage wurde von unabhängigen Expertinnen und Experten durchgeführt. Rund 14’000 zufällig ausgewählte Personen wurden zur Teilnahme eingeladen, 18 Prozent nahmen teil. Die Beteiligung gilt als repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Wohnort und zeugt von einem grossen Interesse der Bevölkerung am Thema Sicherheit. Die letzte vergleichbare Erhebung stammt aus dem Jahr 2019.
Hohes Sicherheitsgefühl und grosse Lebenszufriedenheit
92 Prozent der Befragten geben an, mit der Lebensqualität in ihrem Quartier oder Dorf zufrieden zu sein. 85 Prozent fühlen sich im Kanton Neuenburg sicher, mehr als zwei Drittel schätzen die Sicherheitsprobleme in ihrem direkten Umfeld als gering oder sehr gering ein.
Grosses Vertrauen in die Polizei
Die Neuenburger Polizei geniesst ein hohes Vertrauen: 91 Prozent der Befragten sind überzeugt, im Notfall auf die Polizei zählen zu können. 83 Prozent zeigen sich mit der Polizeiarbeit in Quartieren und Gemeinden zufrieden. Kontakte mit der Polizei werden mehrheitlich als professionell, respektvoll und effizient beurteilt.
Sorgen im öffentlichen Raum bleiben
Trotz der insgesamt positiven Einschätzung bestehen gewisse Unsicherheitsfaktoren. Am häufigsten genannt werden gefährliches Fahrverhalten (30 %), Velodiebstähle (29 %) sowie Trickdiebstähle und Betrügereien (24 %). Bahnhöfe, Unterführungen und öffentliche Verkehrsmittel gelten insbesondere bei Dunkelheit als sensible Orte. In städtischen Gebieten ist das Unsicherheitsgefühl ausgeprägter als in ländlichen Regionen.
Asylzentren: kritische Wahrnehmung
In Bezug auf die Bundesasylzentren in Boudry und Les Verrières geben 60 Prozent der Befragten an, eine Verschlechterung der Situation wahrzunehmen. In den direkt betroffenen Gemeinden liegt dieser Wert bei bis zu 68 Prozent. Das Zentrum Les Verrières ist inzwischen geschlossen. Die polizeilichen Massnahmen der letzten fünf Jahre werden von der Hälfte der Befragten als unzureichend beurteilt.
Digitale Kriminalität im Fokus
Besonders deutlich ist die Verlagerung der Sorgen in den digitalen Raum. Fast 60 Prozent der Befragten befürchten Online-Betrug oder Missbrauch von Zahlungsmitteln. Seit 2019 ist diese Sorge stark angestiegen: Der Anteil jener, die Online-Betrug als grosses Problem wahrnehmen, wuchs von 47 auf 65 Prozent. Gleichzeitig halten nur acht Prozent die Kriminalität im physischen Raum für hoch.
Die Umfrage zeigt zudem eine klare Diskrepanz zwischen wahrgenommener Unsicherheit und tatsächlicher Opfererfahrung – insbesondere im digitalen Bereich, wo viele Delikte nicht angezeigt werden.
Klare Erwartungen an Politik und Polizei
Die Bevölkerung erwartet insbesondere:- rasches Eingreifen bei Straftaten
- eine sichtbare Polizeipräsenz
- verstärkte Bekämpfung der digitalen Kriminalität
- gezielte Präventionsarbeit, vor allem bei Jugendlichen
- mehr Massnahmen gegen gefährliches Fahrverhalten
Neues Online-Meldesystem geplant
Als konkrete Massnahme kündigen Staatsrat und Polizei ein neues Online-Meldesystem an. Ab dem Frühjahr sollen Belästigungen und sicherheitsrelevante Beobachtungen über den kantonalen Online-Schalter (Guichet unique) gemeldet werden können – anonym oder namentlich, auch ohne formelle Strafanzeige. Ziel ist es, die Prävention zu stärken und die Polizeipräsenz besser auszurichten.
Fünf Schwerpunkte für die Zukunft
Auf Basis der Umfrageergebnisse definieren Staatsrat und Polizei folgende Prioritäten:- Beruhigung des Unsicherheitsgefühls an sensiblen Orten
- . Bekämpfung von Gewalt
- Stärkung der Prävention und Reaktion bei digitaler Kriminalität
- Verbesserung der Verkehrssicherheit
- Annäherung des subjektiven Sicherheitsgefühls an die reale Risikolage
Mit diesen Massnahmen soll das Vertrauen der Bevölkerung weiter gestärkt und die hohe Lebensqualität im Kanton Neuenburg langfristig gesichert werden.
Quelle der Polizeinachricht: Kapo NE


