Am Montag, 13. April 2026, startete eine internationale Aktion gegen Cyberkriminalität. Behörden aus 21 Ländern gingen gegen DDoS-Dienste vor, sperrten Domains und identifizierten tausende Täter.
Am 13. April 2026 schlossen sich 21 Länder zu einer koordinierten Aktionswoche zusammen, deren Schwerpunkt auf Durchsetzungs- und Präventionsmassnahmen gegen mehr als 75 000 kriminelle Nutzer lag, die an DDoS-for-Hire-Diensten beteiligt waren. Mit über 75 000 Warn-E-Mails und Briefen, die an identifizierte kriminelle Nutzer versandt wurden, sowie 4
Festnahmen führte die Aktionswoche zudem zur Sperrung von 53 Domains und zur Ausstellung von 25 Durchsuchungsbefehlen.
DDoS-Dienste (oft auch „DDoS-for-Hire“ oder „Booter/Stresser“) sind illegale Online-Angebote, mit denen man gegen Bezahlung gezielt Webseiten oder Server lahmlegen kann.
Die folgenden Länder nahmen an der gemeinsamen Aktion teil: Australien, Belgien, Brasilien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Japan, Lettland, Litauen, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Thailand, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten.
Im Vorfeld der Aktionswoche fand eine Reihe operativer Sprints statt, bei denen Experten nationaler Behörden aus aller Welt zusammenkamen, um Massnahmen gegen besonders relevante Nutzer von DDoS-for-Hire-Plattformen durchzuführen und das Bewusstsein für die Illegalität dieser Aktivitäten zu schärfen.
Während dieser Einsätze unterbrachen die teilnehmenden Länder illegale Booter-Dienste und demontierten die technische Infrastruktur, die illegale DDoS-Angriffe unterstützt. Booter-Dienste ermöglichen es Nutzern, DDoS-Angriffe gegen bestimmte Websites, Server oder Netzwerke zu starten.
Durch die Beschlagnahmung dieser Infrastrukturen gelang es den Behörden, diese kriminellen Aktivitäten zu unterbinden und weiteren Schaden für die Opfer zu verhindern. Anhand der beschlagnahmten Datenbanken konnten die Experten von
Europol ihre nationalen Kollegen mit Informationen zu über 3 Millionen kriminellen Nutzerkonten unterstützen, was während der Aktionswoche zu einer Reihe koordinierter Massnahmen weltweit führte.
DDoS-for-Hire ist einer der am weitesten verbreiteten und leicht zugänglichen Trends in der
Cyberkriminalität, der es Personen mit geringen technischen Kenntnissen ermöglicht, anhand von Schritt-für-Schritt-Anleitungen kriminelle Angriffe durchzuführen. Diese Angriffe fügen Unternehmen und Einzelpersonen weltweit erheblichen Schaden zu, indem sie auf Server, Websites oder Online-Dienste abzielen und diese für legitime Nutzer unzugänglich machen.
Das Spektrum der Personen, die DDoS-Aktivitäten betreiben, reicht von Nutzern mit minimalem technischem Hintergrund, die mit geringem Aufwand Angriffe starten können, bis hin zu technisch versierteren Akteuren, die ihre illegalen Operationen individuell anpassen und optimieren. Die Angriffe sind oft regional ausgerichtet, wobei Nutzer Server und Websites auf ihrem eigenen Kontinent ins Visier nehmen, und richten sich gegen ein breites Spektrum von Zielen, darunter Online-Marktplätze, Telekommunikationsanbieter und andere webbasierte Dienste. Die Motive reichen von Neugier über ideologische Ziele im Zusammenhang mit Hacktivismus bis hin zu finanziellem Gewinn durch Erpressung oder die Störung der Dienste von Wettbewerbern.
Operation PowerOFF: Stören und verhindern
Die Operation PowerOFF ist eine laufende, koordinierte Initiative internationaler Strafverfolgungsbehörden, die darauf abzielt, kriminelle Infrastrukturen für DDoS-for-Hire-Dienste zu zerschlagen. Da die Operation nun in ihre Präventionsphase eintritt, wurde eine Reihe koordinierter und proaktiver Kampagnen zur Verhinderung künftiger Angriffe durchgeführt; weitere werden folgen. Zu diesen Kampagnen gehören:
Die Schaltung von Anzeigen in Suchmaschinen, wobei gezielte Botschaften an junge Menschen gerichtet werden, die bei Google nach DDoS-for-Hire-Tools suchen.
Die Entfernung von über 100 URLs, die für DDoS-for-Hire-Dienste werben, aus den Suchmaschinenergebnissen.
Das Versenden von Warnmeldungen an die Blockchains, die von Kriminellen für Zahlungen im Zusammenhang mit ihren illegalen Aktivitäten genutzt werden.
Die Aktualisierung der speziellen Website für die Operation PowerOFF, um alle Strafverfolgungs- und Präventionsmassnahmen zu dokumentieren und ihnen mehr Sichtbarkeit zu verschaffen.
Beteiligte Strafverfolgungsbehörden:
- Australia: Australian Federal Police
- Austria: Criminal Intelligence Service Austria – Cybercrime Competence Center (C4)
- Belgium: Federal Judicial Police - FCCU
- Brazil: Brazilian Federal Police
- Bulgaria: Cybercrime Department - General Directorate Combating Organized Crime
- Denmark: Danish Police - POLITI
- Estonia: National Criminal Police
- Finland: National Bureau Of Investigation
- Germany: Federal Criminal Police Office
- Japan: National Police Agency of Japan
- Latvia: Cybercrime Enforcement Department, Central Police Department, State Police of Latvia
- Lithuania: Lithuanian Criminal Police Bureau
- Luxembourg: Service de Police Judiciaire – Section Cybercrime
- Netherlands:Netherlands Police
- Norway National Crime Investigation Service
- Poland: National Police - Central Cybercrime Bureau
- Portugal: Polícia de Segurança Pública and Polícia Judiciária
- Sweden: Swedish Police Authority - Swedish Cybercrime Center (SC3)
- Thailand: Royal Thai Police – Immigration Bureau and Cyber Crime Investigation Bureau
- United Kingdom: National Cyber Crime Unit, National Crime Agency and UK Regional Cyber Crime Units
- United States: Homeland Security Investigations (HSI), Department of Defense Office of Inspector General’s Defense Criminal Investigative Service (DCIS), United States Department of Justice (DOJ), Federal Bureau of Investigation (FBI), United States Attorney’s Office (USAO)
Was die Unterstützung durch Europol betrifft, so hat die Agentur insbesondere:
- Analysen der beschlagnahmten Datensätze durchgeführt, Nutzer identifiziert und geolokalisiert sowie Informationspakete an alle EU-Mitgliedstaaten und Länder mit operativen Vereinbarungen weitergeleitet. Darüber hinaus wurden analytische Unterstützung, Fachwissen im Bereich der Kryptowährungsverfolgung und forensische Hilfe bereitgestellt.
- Sprints organisiert, um Ermittlungsansätze zu entwickeln und die abschliessende Phase der Operation vorzubereiten.
- Während der Aktionstage eine Kommandozentrale eingerichtet.
- Einen spezialisierten Experten für Cyberkriminalitätsprävention eingesetzt, um die Präventionsarbeitsgruppe während des gesamten Falls zu unterstützen.
Operative Sprints – Kurz erklärt
Operative Sprints sind kurze, intensiv organisierte Arbeitsphasen, in denen Expertinnen und Experten gemeinsam an konkreten Ermittlungszielen arbeiten.
Ziel:
Schnelle und koordinierte Fortschritte bei Ermittlungen und Massnahmen.
Typische Inhalte:
- Analyse von Daten
- Identifizierung von Verdächtigen
- Entwicklung von Ermittlungsansätzen
- Vorbereitung operativer Massnahmen
Merkmale:
- Zeitlich begrenzt (Tage bis wenige Wochen)
- Klare Zielsetzung
- Enge, oft internationale Zusammenarbeit
- Praxis- und ergebnisorientiert
Quelle der Polizeinachricht: Europol