Header Logo

Polizei

ticker

Aargau
Appenzell-Innerrhoden
Appenzell-Ausserrhoden
Basel-Landschaft
Basel-Stadt
Bern
Fribourg
Genf
Glarus
Graubünden
Jura
Luzern
Neuenburg
Nidwalden
Obwalden
Schaffhausen
Schwyz
Solothurn
St.Gallen
Thurgau
Tessin
Uri
Waadt
Wallis
Zug
Zürich
Fürstentum Liechtenstein
Automundo Automundo.Ch
Canton Icon

Aarau AG – Tödliche Schiesserei auf Rave war Amoklauf

Redaktion Polizeiticker Schweiz

Nächster ❯

Auf einem Tisch steht ein Funkgerät der Kantonspolizei Aargau neben einer Polizei-Mütze. Ein Polizist ist unscharf im Hintergrund zu sehen.
(Symbolbild) (Bildquelle: Kantonspolizei Aargau)

Nach den tödlichen Schüssen am Rand des Aarauer Raves haben Polizei und Staatsanwaltschaft neue Details bekannt gegeben. Ein 43-jähriger Schweizer aus dem Kanton Jura gilt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Täter und befindet sich in Untersuchungshaft.

Neue Erkenntnisse zu den tödlichen Schüssen beim Aarauer Schachen

Drei Tage nach den tödlichen Schüssen am Rand des Aarauer Raves haben die Kantonspolizei Aargau und die Staatsanwaltschaft am Mittwoch über den aktuellen Ermittlungsstand informiert. Der festgenommene 43-jährige Schweizer aus dem Kanton Jura ist laut Aargauer Polizeikommandant Michael Leupold «mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit» der gesuchte Schütze.
Die Behörden ordnen die Tat mit hoher Sicherheit als Amoktat ein. Hinweise auf weitere Tatbeteiligte, Mithelfer oder Mitwisser gibt es derzeit nicht. Die Ermittler gehen von einem Einzeltäter aus. Auch Hinweise auf ideologische, rechts- oder linksextreme oder islamistische Hintergründe liegen nicht vor.
Das Motiv ist weiterhin unklar. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der Mann keine Beziehung zum Tatort in Aarau und auch keine spezifischen Verbindungen in den Kanton Aargau. Er dürfte mutmasslich zufällig auf den Rave aufmerksam geworden sein.

40 Schüsse mit Sturmgewehr auf Feiernde

Nach der bisherigen Rekonstruktion fuhr der Mann mit seinem eigenen Auto zur Schachenstrasse und ging von dort zu Fuss weiter. Anschliessend soll er mit einem Sturmgewehr 40 Mal in Richtung der Feiernden geschossen haben. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch mehr als 100 Personen vor Ort.
Danach ging er zurück in Richtung Parkplatz. Dort soll er mit einer Pistole erneut geschossen haben – unter anderem in Richtung eines wegfahrenden Fahrzeugs. Anschliessend entfernte er sich vom Tatort und begab sich laut Polizei rasch in Richtung Jura.

22-Jährige getötet – mittlerweile sechs Verletzte bekannt

Bei den Schüssen wurde eine 22-jährige Frau getötet. Laut Polizei erlitt sie einen Durchschuss am Oberkörper, wobei lebenswichtige Organe getroffen wurden.
Die Zahl der Verletzten wurde inzwischen von fünf auf sechs korrigiert. Eine weitere verletzte Person meldete sich am Montag bei der Polizei. Zwei der Verletzten befinden sich weiterhin im Spital. Ihnen gehe es den Umständen entsprechend besser.

Pistole und zwei Sturmgewehre sichergestellt

Im Fahrzeug des Beschuldigten stellten die Ermittler drei Schusswaffen sicher: eine Pistole und zwei Sturmgewehre vom Typ AK-74. Alle drei Waffen waren auf den 43-Jährigen registriert und laut Polizei privat erworben worden.
Nach bisherigem Ermittlungsstand schoss der Mann am Schachen mit einem Sturmgewehr und anschliessend beim Parkplatz mit einer Pistole. Noch nicht geklärt ist, ob er während der Tat alle drei sichergestellten Waffen bei sich hatte.
Die Waffen waren vor rund 20 Jahren von den zuständigen Behörden im Kanton Jura bewilligt worden. Ob eine entsprechende Bewilligung unter den heutigen strengeren Bestimmungen ebenfalls erteilt würde, konnte die Polizei an der Medienkonferenz nicht beantworten.
Der Beschuldigte war früher wehrpflichtig und als Truppenkoch in der Schweizer Armee tätig. 2013 schied er aus der Armee aus und gab seine persönliche Dienstwaffe zurück. Besondere Verbindungen des Mannes zur Armee bestehen nach Angaben der Polizei nicht.

Über 80 Notrufe und mehr als 130 Befragungen

Unmittelbar nach den ersten Schüssen gingen bei der Polizei rund 80 Notrufe ein. Die Einsatzkräfte rückten laut Einsatzleiter Matthias Schildknecht innert weniger Minuten aus und näherten sich der Gefahrenzone in sogenannten Kontaktteams.
Die Polizei wies Berichte zurück, wonach die Einsatzkräfte erst rund 30 Minuten nach den Schüssen eingetroffen seien. Die Einsatzkräfte hätten strategisch vorgehen müssen, um nicht selbst von Schüssen getroffen zu werden. Die Gefahrenzone sei deshalb schrittweise eingegrenzt worden.
Bereits in den ersten zwölf Stunden nach der Tat führte die Polizei mehr als 130 Befragungen durch. Zudem wurden Kameras im öffentlichen Raum überprüft und weit über 100 Hinweise aus der Bevölkerung ausgewertet. Auch in anderen Kantonen kam es aufgrund verdächtiger Beobachtungen zu Anhaltungen und Kontrollen. Wichtige Punkte wie Bahnhöfe wurden im Rahmen der Fahndung gesichert.

Jurassisches Auto führt Ermittler auf die Spur

Aussagen einer Person lieferten schliesslich Hinweise auf ein möglicherweise mit der Tat in Verbindung stehendes Fahrzeug. Die Ermittler konnten ein Auto mit jurassischen Kontrollschildern identifizieren und dem später festgenommenen Beschuldigten zuordnen.
Zu diesem Zeitpunkt standen im Auftrag der Kantonspolizei Aargau bereits Einsatzkräfte im Kanton Jura im Einsatz.
Der Mann stellte sich schliesslich bei der Kantonspolizei Jura in Delsberg und gab an, die Tat begangen zu haben. Anschliessend wurde er festgenommen. Weshalb er sich der Polizei stellte, ist bislang nicht bekannt.

Hinweise auf mögliche psychische Probleme

Bei seiner Einvernahme gab der 43-Jährige laut Staatsanwaltschaft an, dass es ihm bereits seit einiger Zeit gesundheitlich schlecht gehe. Zudem machte er Angaben zu einem «psychischen Leiden».
Gesicherte Erkenntnisse über seinen psychischen Zustand liegen den Behörden bislang jedoch nicht vor. Es gebe lediglich Anhaltspunkte für eine mögliche psychische Störung. Eine psychiatrische Abklärung dürfte deshalb Teil der weiteren Ermittlungen sein. Ob sich der Mann bereits zuvor in psychiatrischer Behandlung befand, ist derzeit unklar.
Bei weiteren Befragungen machte der Beschuldigte mehrheitlich von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Keine Hinweise auf extremistischen Hintergrund

Eine Durchsuchung im Zusammenhang mit dem Beschuldigten ergab laut Polizei keine Hinweise auf ideologische oder extremistische Hintergründe. Der Mann war der Polizei zuvor nicht bekannt. Eine vollständige schweizweite Übersicht zu möglichen früheren Verfehlungen lag zum Zeitpunkt der Medienkonferenz noch nicht vor. Bekannt seien einige Bagatell-Verkehrsdelikte.
Auch eine besondere Verbindung des Mannes zum Kanton Aargau ist bislang nicht bekannt.

Gefahrenabwehr beendet

Nach den umfangreichen Ermittlungen sieht die Polizei keine Hinweise auf weitere Tatbeteiligte. Das Sicherheitsdispositiv wurde deshalb wieder auf die Normallage reduziert.
«Die Gefahrenabwehr ist beendet», erklärte Polizeikommandant Leupold. Von diesem spezifischen Verbrechen gehe nach Einschätzung der Behörden kein Restrisiko mehr für die Bevölkerung aus.
Die Staatsanwaltschaft stellte beim Zwangsmassnahmengericht Antrag auf Untersuchungshaft. Der 43-Jährige befindet sich inzwischen in Untersuchungshaft.
Ermittelt wird unter anderem wegen vorsätzlicher Tötung beziehungsweise versuchter vorsätzlicher Tötung, Mord beziehungsweise versuchten Mordes, mehrfacher Gefährdung des Lebens sowie Widerhandlungen gegen das Waffengesetz.
Die Ermittlungen zum Motiv, zum psychischen Zustand des Beschuldigten und zu weiteren offenen Fragen dauern an. Die Behörden bitten Personen, die Angaben zum mutmasslichen Täter machen können, sich bei der Polizei zu melden.

Zeugenaufruf

Die Behörden bitten Personen, die diesbezügliche Angaben zum mutmasslichen Täter machen können, sich bei der Polizei zu melden.

Quelle der Polizeinachricht: Kapo AG / Staatsanwaltschaft Aargau

Kategorien:

Aargau
Zeugenaufrufe

Nächster ❯

Falsch Parker Ad Banner
aargau