Die Stadtpolizei Zürich erfasst seit dem 1. September 2025 systematisch den Einsatz von Gummischrot. Insgesamt kam das Distanzmittel in den vergangenen zwölf Monaten bei elf Einsätzen zur Anwendung.
Der Einsatz von Gummischrot führt immer wieder zu kontroversen Diskussionen, vor allem wegen der Verletzungsgefahr am Auge. Im Gemeinderat wurden mehrmals Vorstösse zu diesem Thema eingereicht.
Um eine faktenbasierte Diskussion rund um dieses Einsatzmittel zu ermöglichen, erteilte Stadträtin Karin Rykart, Vorsteherin des Sicherheitsdepartements, der Stadtpolizei den Auftrag, den Einsatz von Gummischrot ab dem 1. September 2025 systematisch zu erfassen.
Die Stadtpolizei Zürich ist das erste Korps in der Schweiz, das den Einsatz von Gummischrot offenlegt. Kommuniziert werden Anlass, Datum sowie Anzahl der jeweils verschossenen Pakete, die je 35 abgerundete Gummischrotprismen enthalten. Ebenfalls publiziert wird die Zahl der durch Gummischrot verletzten Personen, soweit dies der Stadtpolizei bekannt ist.
Im Zeitraum vom 1. September 2025 bis zum 31. August 2026 (12 Monate) setzte die Stadtpolizei bei insgesamt elf Einsätzen Gummischrot ein. Verletzungen sind der Stadtpolizei keine bekannt.
Einsätze von Gummischrot September bis Dezember 2025
12. September 2025 – Versuchte Besetzung Platzspitz
33 Gummischrot-Pakete
13./14. September 2025 – Versuchte Besetzung Kasernenareal
55 Gummischrot-Pakete
20. September 2025 – Gegendemonstration «Marsch fürs Läbe»
1 Gummischrot-Paket
16. Oktober 2025 – Einsatz bei Auseinandersetzung mit Stichwaffe im Kreis 4
1 Gummischrot-Paket
Einsätze von Gummischrot Januar bis August 2026
19. Januar 2026 – Unbewilligte Nachdemonstration «Trump still not welcome»
18 Gummischrot-Pakete
25. Januar 2026 – Meisterschaftsspiel FCZ–FCB
2 Gummischrot-Pakete
7. März 2026 – Unbewilligte Demonstration Internationaler Frauentag
7 Gummischrot-Pakete
17./18. April 2026 – Auflösung illegaler Party im Kreis 10
10 Gummischrot-Pakete
1. Mai 2026 – Unbewilligte Nachdemonstration 1. Mai
18 Gummischrot-Pakete
2./3. Mai 2026 – Unbewilligte Nachdemonstration 1. Mai
31 Gummischrot-Pakete
24. Mai 2026 – Auflösung illegaler Party auf dem Kasernenareal
26 Gummischrot-Pakete
Mangelnde Alternativen
Die Stadtpolizei setzt Gummischrot ein, um gewaltbereite Gruppen auf Abstand zu halten, zum Beispiel im Zusammenhang mit Fanausschreitungen bei Fussballspielen oder bei unfriedlichen Demonstrationen.
Sie nutzt Gummischrot nur, wenn Dialog und Deeskalation oder die Verwendung von milderen Mitteln (zum Beispiel Wasserwerfer) nicht möglich sind oder nicht zum Erfolg führen und wenn der Einsatz notwendig und verhältnismässig ist.
Mittelfristig ist es das Ziel, die Einsätze weiter zu reduzieren. Ein Verzicht ist aber derzeit nicht möglich. Ohne dieses Distanzmittel wäre das Risiko von körperlichen Konfrontationen zwischen Polizei und gewaltbereiten Gruppen grösser – verbunden mit einem höheren Verletzungsrisiko auf beiden Seiten. Zudem wären deutlich grössere Polizeiaufgebote nötig.
Neue Statistik pro Jahr
Künftig werden die Zahlen zu den Gummischrot-Einsätzen pro Kalenderjahr erhoben und jeweils Anfang des neuen Jahres auf der Webseite der Stadt Zürich publiziert.
Die Zahlen aus 2026 werden mit den Vorjahren nicht vergleichbar sein. Denn in der Vergangenheit wurde der Einsatz von Gummischrot nicht in standardisierter Weise erhoben – anders als etwa bei Schusswaffen und Destabilisierungsgeräten.
Quelle der Polizeinachricht: Stapo ZH
