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Bern

Kanton Bern - Mehr Gewaltstraftaten zu verzeichnen

Die Gewaltstraftaten nehmen im Kanton Bern zu.
Die Gewaltstraftaten nehmen im Kanton Bern zu. (Bildquelle: Kantonspolizei Bern)

Im Jahr 2020 weist die polizeiliche Kriminalstatistik etwas mehr Straftaten aus als im Vorjahr. Zugenommen haben vor allem die Gewaltdelikte und die rapportierten Straftaten im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Hingegen wurde im Bereich der Delikte gegen das Vermögen insbesondere bei den Diebstählen eine Abnahme registriert. Der seit einigen Jahren festzustellende steigende Trend bei der Cyberkriminalität setzt sich weiter fort.

Die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2020 weist im Kanton Bern insgesamt 69’910 (+1%, Vorjahr: 69’104) strafrechtlich relevante Handlungen aus. Es wurden insgesamt 54’869 (Vorjahr: 53’942) Straftaten gemäss Strafgesetzbuch (StGB) und 11’854 (Vorjahr: 12'043) Straftaten gemäss Betäubungsmittelgesetz (BetmG) erfasst. 3’187 (Vorjahr: 3’119) registrierte Straftaten betreffen das Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG). Erfreulich ist, dass die StGB-Aufklärungsquote seit 2014 kontinuierlich auf 40,4% verbessert werden konnte. «In Anbetracht der wachsenden, insbesondere auch digitalen Vernetzung und der zunehmenden Verschiebung von Straftaten ins anonyme Internet ist dieses Ergebnis keine Selbstverständlichkeit. Die kontinuierliche positive Entwicklung ist Ausdruck dafür, dass sich unsere ausdauernden Bemühungen auszahlen», sagt der Kommandant Stefan Blättler.

Weniger Diebstähle, mehr Vandalismus verzeichnet

Mit 69,5% machen die Vermögensdelikte (38’116 Straftaten, -2%) nach wie vor den weitaus grössten Teil aller Straftaten gemäss Strafgesetzbuch aus. Die Zahl der Diebstähle (15’139 Straftaten, -6%) ist gesunken. Insbesondere bei den unspezifizierten Diebstählen (4’798 Straftaten, -12%), den Taschendiebstählen (933 Straftaten, -33%) und den separat ausgewiesenen Fahrzeugdiebstählen (6’252 Straftaten, -8%) wurde jeweils ein Rückgang registriert. Weiter ist auch die Zahl der Einbruchdiebstähle (2’815 Straftaten, -6%) zurückgegangen, wobei vor allem weniger Einbruchdiebstähle in private Räumlichkeiten, namentlich in Mehrfamilienhäuser, verzeichnet wurden. Dies dürfte unter anderem damit zu erklären sein, dass sich im letzten Jahr aufgrund der verordneten Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus viele Bernerinnen und Berner vermehrt zu Hause aufhielten. Zudem ist auch davon auszugehen, dass der Kriminaltourismus wegen der zeitweise geltenden Einreisebeschränkungen in vermindertem Ausmass stattfand.

Hingegen sind die Einschleichdiebstähle (1’243 Straftaten, +15%) und die Diebstähle ab/aus Fahrzeugen (1’009 Straftaten, +24%) gestiegen. Ein Anstieg der Straftaten musste auch beim Vandalismus (8’395 Straftaten, +9%) verzeichnet werden, wobei deutlich mehr Anzeigen wegen Sprayereien/Graffitis (5’201 Straftaten) erfasst wurden.

Neuerlicher Anstieg bei Gewaltstraftaten

Nach 2019 musste auch im 2020 wieder ein Anstieg bei den Gewaltdelikten (4’813 Straftaten, +6%) registriert werden, wobei gegen zwei Drittel der Straftaten (2’912) im öffentlichen Raum verübt wurden. Die Gewalt im öffentlichen Raum bleibt folglich auch im kommenden Jahr ein Schwerpunkt in der Polizeiarbeit. Das Sicherheitsempfinden im öffentlichen Raum bildet ausserdem auch Gegenstand der Bevölkerungsbefragung, welche die Kantonspolizei Bern in den kommenden Sommermonaten durchführt.

Im Bereich der schweren Gewalt – sie macht 3,9% aller Gewaltdelikte aus – musste eine Zunahme der Straftaten von 149 auf 187 (+26%) festgestellt werden. Darunter fallen neben den Tötungsdelikten (6 vollendet, Aufklärungsquote 100% / 7 versucht, Aufklärungsquote 71,4%) beispielsweise auch die schweren Körperverletzungen, die um 26% (+17, total 82 Straftaten) zugenommen haben. Die minderschweren Gewaltdelikte sind insgesamt auf 4’626 (+251 Straftaten) gestiegen, wobei insbesondere mehr Raubdelikte (275 Straftaten, +16%) und Drohungen (1’186 Straftaten, +15%) registriert wurden.

Straftaten im Bereich häusliche Gewalt und sexuelle Integrität gestiegen

Im Bereich der häuslichen Gewalt wurden 1’557 Straftaten (+21%) zur Anzeige gebracht. Eine Zunahme der Straftaten ist beispielsweise in den Kategorien Tätlichkeit (+88), Drohung (+63) sowie Vergewaltigung (+12) zu verzeichnen. «Obwohl wir einen Anstieg der Zahlen registrieren mussten, sind wir froh, dass diese Vorfälle gemeldet wurden. Nur wenn wir von den Taten Kenntnis haben, können wir auch Hilfe leisten. Dabei ist neben der Strafverfolgung vor allem auch die Prävention gefragt, damit problematische Vorfälle früh erkannt werden können und es gar nicht erst zu solchen Taten kommt», erklärt der Kommandant Stefan Blättler. Sowohl die stetige Sensibilisierung der Bevölkerung als auch das neue kantonale Polizeigesetz, das Anfang 2020 eingeführt wurde und mit dem die allgemeinen Rahmenbedingungen für die polizeiliche Handhabung von Vorfällen im häuslichen Bereich erneut geschärft wurden, können Gründe für den Anstieg sein. Aber auch die gesellschaftlichen Veränderungen und die durch das Coronavirus bedingten Umstände dürften zur steigenden Entwicklung bei der häuslichen Gewalt beigetragen haben.

Auch im Bereich der sexuellen Integrität wurden im Vergleich zum Vorjahr wiederum mehr Fälle (856 Straftaten, +14%) registriert.

Steigende Cyberkriminalität: Betrugsdelikte fast immer online verübt

Wie bereits in den letzten Jahren haben die Betrugsdelikte zugenommen (+10%). Anhand getätigter Auswertungen zeigt sich, dass rund 75% davon im Internet oder mithilfe digitaler Instrumente verübt wurden. Ohnehin ist die Cyberkriminalität weiter steigend. So wurden beispielsweise auch in den Deliktskategorien Missbrauch einer EDV-Anlage (962 Straftaten, +11%) und Geldwäscherei (534 Straftaten, +37%) neuerlich Anstiege verzeichnet. Auch der Grossteil der registrierten Fälle verbotener Pornografie (337 Straftaten, +12%) ist im Cyber-Bereich zu verorten.

Mehr beschuldigte Minderjährige und junge Erwachsene

Insgesamt wurden 16’253 Personen angezeigt, was im Vergleich zum Vorjahr (15’860 Personen) erneut einen leichten Anstieg darstellt. Die Zahl der Minderjährigen, die gegen das Strafgesetzbuch verstossen haben, hat wiederum zugenommen (+22,3%, total 1’401 Beschuldigte). Darunter waren 1’059 (+20%) männliche und 342 (+29%) weibliche Beschuldigte. Eine Zunahme ist auch bei den wegen StGBWiderhandlungen Beschuldigten zwischen 18 und 24 Jahren zu verzeichnen (+11,2%, total 2’000 Beschuldigte).

Mehr schwere Betäubungsmittel-Widerhandlungen

Im Jahr 2020 wurden 11’854 Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz rapportiert; leicht weniger als im Vorjahr (-189 Straftaten). Allerdings konnten bei den schweren Widerhandlungen in sämtlichen Bereichen – Besitz/Sicherstellung (+47), Anbau/Herstellung (+22), Handel (+68) und Schmuggel (+16) – mehr Straftaten verzeigt werden.